Waldbegehung des Gemeinderats zur Mitte der Forsteinrichtungsperiode samt Beschlussfassung des Forstwirtschaftsplans 2027
Ausführlich beschäftigte sich der Gemeinderat unlängst mit dem städtischen Wald, welcher mit knapp 1.300 Hektar zu den größeren kommunalen Beständen im Landkreis Tuttlingen zählt. Hierbei wurde verschiedentliche Angelegenheiten, welche die Forstwirtschaft gegenwärtig berühren, erörtert und beraten. Neben unserem Revierförster Johannes Mayer und Forstassistent Nicolas Engler konnte die Verwaltung zu dieser Sitzung auch den neuen Amtsleiter Rene Maxeiner vom Forstamt des Landkreises begrüßen.
Im Rahmen der Forsteinrichtungsperiode bis 2030 stand zunächst eine Begehung des Waldes auf der Tagesordnung, wo die Forstbeamten direkt vor Ort über den Zustand und die Entwicklung des Stadtwaldes informierten.
Bei der sog. Forsteinrichtung handelt es sich im Sinne der nachhaltigen Waldbewirtschaftung um ein zentrales Führungs- und Planungsinstrument. Sie besitzt wesentlichen Einfluss auf die betriebliche Steuerung und gibt die Richtung der durchzuführenden forst- und waldbaulichen Maßnahmen für einen Zeitraum von zehn Jahren vor. Als Grundlage werden hierfür im Vorfeld die notwendigen Erhebungen durchgeführt. Diese liefern den Experten zahlreiche Fakten; so über die aktuelle Holzmenge, den alljährlichen Holzzuwachs oder auch über die vorhandene Verjüngung und damit über die Tatsache wie viel junge Bäume aktuell im städtischen Wald nachwachsen. Ebenfalls werden die Zielsetzungen des Waldbesitzers zu den Bereichen Ökologie, Ökonomie und Soziales abgefragt, welche gleichfalls in diesem Planwerk ihre Berücksichtigung finden. Es wird im Rahmen der Forsteinrichtung außerdem festgelegt, in welchem Bestand wieviel Holz geerntet, was nachgepflanzt bzw. gepflegt werden soll. Erfreulicherweise ist der Holzvorrat v.a. im Buchen- und Fichtenaltholz angestiegen, so dass der alljährliche Hiebsatz in dieser Forsteinrichtung auf insg. 7.100 Festmeter hochgenommen werden konnte. Wie in der Vergangenheit wurde des Weiteren der Schutz- und Erholungsfunktion des städtischen Waldes, ebenso wie dem Artenschutz ein hoher Stellenwert beigemessen.
Nachdem die Hälfte der Forsteinrichtungsperiode abgelaufen ist, war jetzt einmal ein Waldbegang des Gemeinderats angezeigt. An unterschiedlichen Standorten zeigten die Forstbeamten dabei dem Gremium beispielshaft verschiedene Waldbilder. Hierbei erläuterten sie sehr anschaulich die in den letzten Jahren aufgrund der klimatischen Bedingungen eingetretenen Entwicklungen und Veränderungen. So hat der Anteil des Schadholzes seit 2020 erheblich zugenommen und liegt bei durchschnittlich 43 %. Um den Wald für die Zukunft zu ertüchtigen, steht man deshalb vor größeren Herausforderungen, welche insb. den Waldumbau betreffen.
In Kommunalbesitz befindet sich eine Waldfläche von 1.236 ha mit einem Vorrat von 306 Festmetern pro Hektar. Hiervon sind nahezu 2/3 der Flächen aufgrund von Steillagen sowie der Bodenqualität forstwirtschaftlich eher als schwächere Standorte einzustufen. Rund 45 % des Waldbestandes sind Nadelbäume, während der Laubholzanteil 55 % beträgt. Mit der Fichte (39 %) und der Buche (36 %) dominieren zwei Baumarten das Waldbild. Festzustellen ist zugleich in der Verjüngung ein erheblicher Rückgang an Eschen sowie auch an Bergahorn; dagegen hat der Buchenbestand zugelegt.
Zukunftsfähige klimaresiliente Mischwälder, so die Förster, sind nur mittels einer möglichst breiten Zusammensetzung von Baumarten erreichbar. Bei derzeit zwei wesentlichen Baumarten bedarf es waldbaulicher und jagdlicher Anstrengungen um letztlich überhaupt genügend Mischbaumarten etablieren zu können. Zur Verfolgung dieses Ziels sind sowohl Jungbestandspflegen, Anpflanzungen, angepasste Wildvorkommen sowie die richtige waldbauliche Behandlung der Bestände mögliche Stellschrauben. Hierfür muss auch verstärkt finanziell investiert werden, indem der Fokus künftig auf eine weitere Verjüngung des Waldes mit Nadelhölzern und klimaerwärmungstoleranten Baumarten gelegt wird.
Im Nachgang wurde der Forstwirtschaftsplan 2027 für den Stadtwald beraten und beschlossen. Zuvor informierte der Forst aber über den Vollzug des bisherigen Forstjahres. Seit der Reform vor wenigen Jahren deckt das hiesige Revier neben Fridingen auch Bärenthal mit ab und wird in alleiniger Verantwortung von Revierförster Johannes Mayer betreut.
Die Forstbeamten erläuterten dem Gremium, dass in diesem Jahr bis dato rekordverdächtige 9.500 Festmeter eingeschlagen wurden, was gegenüber dem Planansatz mit 7.100 Festmetern einer Steigerung von 25 % entspricht und im Wesentlichen der guten Marktsituation aber auch der sog. „zufälligen Nutzung“ geschuldet war. Wie vielerorts hat auch der Stadtwald durch die extreme Trockenheit der letzten Jahre gelitten. Die klimabedingte Zunahme von Schädlingen insb. der Borkenkäfer oder auch die allgemeinen Wetterverhältnisse stellen eine wachsende Herausforderung dar, welche den Betrieb weiterhin stark beeinflussen wird. Diese Entwicklungen geben für die Zukunft durchaus Anlass zu größerer Sorge; so ist nahezu die Hälfte des baden-württembergischen Waldes mittlerweile erheblich geschädigt.
Aufgrund der Aufarbeitung von Schadholz sowie auch vorzunehmenden Verkehrssicherungsmaßnahmen ist in diesem Quartal noch mit weiteren rd. 1.700 Festmetern zu rechnen. Die Einschlagshöhe wirkt sich auf das diesjährige betriebswirtschaftliche Ergebnis aus, welche die Prognose ganz wesentlich übertrifft und nahezu mit einer Verdoppelung des Gewinns abschließen wird.
Für 2027 wird dagegen mit einem regulären Einschlag von etwa 7.100 Festmetern geplant; davon 1.200 Festmeter zufällige Nutzung. Der Erhalt des Waldvermögens durch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Einschlag und Bevorratung ist dabei maßgebend. Die Menge des einzuschlagenden Holzes steht dabei unter dem Vorbehalt eines akzeptablen Preises. Der Forst geht in seinen Planungen von Gesamtkosten in Höhe von etwas mehr als 461.000 Euro aus; dem stehen Erträge von rd. 594.000 Euro gegenüber. Der prognostizierte Überschuss von 130.000 Euro ist kaufmännisch bewusst vorsichtig kalkuliert. Der Anbau von Kulturen und die Sicherung der Schutz- und Erholungsfunkton des Waldes sollen Vorrang besitzen. Im nächsten Jahr sind Pflanzungen von 8.000 trockenresistenten Bäumen vorgesehen, um den Wald weiterhin an die Klimaveränderungen anzupassen. Zusätzlich sollen auf 3 ha Zäune errichtet werden, um die Naturverjüngung zu unterstützen und vor Wildverbiss zu schützen. Auch beteiligt sich die Stadt an dem Förderprogramm „Klimaangepasstes Waldmanagement“, mit dem Ziel verschiedentliche Maßnahmen zum Schutz sowie zur Anpassung des Waldes zu finanzieren, wofür man im Gegenzug jährliche Mittel von etwas mehr als 100.000 Euro vom Land erhält.
Die Förster berichteten zudem, dass man auf Basis der 2019 erstellen Potentialanalyse mit einer Maßnahme zur Ansiedlung des Schwarzen Apollofalters eine weitere Maßnahme für das städtische Ökopunktekonto umgesetzt hat. Ziel war es seinerzeit geeignete Flächen zu verifizieren und ein aussagekräftiges Kosten-Nutzen-Verhältnis zu erhalten. Grundsätzlich müssen Eingriffe in die Umwelt und Landschaft, so schreibt es das Naturschutzrecht vor, am Eingriffsort oder an anderer Stelle durch Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahmen kompensiert werden. Diese werden in sog. Ökopunkten bemessen, welche als Ausgleich für erfolgte Eingriffe, die Wertigkeit einer zu schaffenden Naturschutzmaßnahme festlegen. So existiert in Teilen vor Ort eine besondere Topographie, welche die Bewirtschaftung des Waldes erschwert bzw. unmöglich macht und für Ökopunktemaßnahmen geradezu prädestiniert ist. Das sog. „handelbare Ökopunktekonto“ der Stadt verfügt derzeit über 500.000 Ökopunkte. Aufgrund der derzeit schwierigen Marktlage sind für 2027 keine zusätzlichen Ökopunktemaßnahmen geplant oder auch diesbzgl. Erlöse im Forsthaushalt vorgesehen.
Ebenfalls hatte der Gemeinderat über die Festlegung des Brennholzpreises zu beraten. So wird man für den Erwerb aus dem Stadtwald auch 2027 rd. 800 Festmeter Laub- und Nadelbrennholz zur Verfügung stellen. Die vorhandene örtliche Nachfrage kann über diese Menge gedeckt werden. Eine Veräußerung an auswärtige Bezieher ist nicht vorgesehen. Außerdem soll die max. mögliche Anzahl von Bezugsfestmetern bei 15 Festmeter pro Haushalt verbleiben. Um Spekulationen vorzubeugen wird eine schriftliche Erklärung verlangt, dass das Brennholz ledigl. für Heizzwecke im eigenen Haushalt bzw. durch Angehörige die in der Kommune wohnen, genutzt wird. Der Gemeinderat befürwortete am Bestellverfahren festzuhalten und damit keine Versteigerung vornehmen zu wollen. Aufgrund der allgemeinen Preisentwicklungen bzw. der Nachfrage auf dem Brennholzmarkt beschloss der Gemeinderat mehrheitlich den Brennholzpreis um 2 Euro auf nunmehr 87 Euro moderat anzuheben, womit man im regionalen Durchschnitt liegt.