04. Mai 2022

Vortrag von Dr. Casimir Bumiller über „Die Stadt Fridingen im Mittelalter“

Im Rahmen der Vortragsreihe zum 650jährigen Stadtjubiläum referierte der Historiker Dr. Casimir Bumiller in der Aula der Hohenbergschule über die Anfänge der Stadt Fridingen und die mittelalterliche Geschichte der jungen Stadt. Aussagekräftige Schriftquellen aus dieser Zeit gäbe es sehr wenige. Noch ins 13. Jahrhundert zu datieren sei aber eine erste Stadtgründung auf dem Welschenberg (Altfridingen) durch die Grafen von Hohenberg, die in Konkurrenz zur zollerischen Stadtgründung Mühlheim von 1241 erfolgt sei. Die Stadtwerdung an dieser Stelle sei unvollendet geblieben und um 1300 habe eine zweite planmäßige Stadtgründung an der heutigen Stelle am Donauufer stattgefunden, wo bereits seit frühmittelalterlicher Zeit das Dorf Fridingen mit der Martinskirche bestanden habe. Die zwischen 1275 und 1305 erfolgte Aufwertung der Vikarie Fridingen zu einer eigenen Pfarrei könnte ein Hinweis auf den Zeitpunkt dieser zweiten Stadtgründung sein. Die neue Stadt habe 80 Hofstellen umfasst, was einer Bevölkerungszahl von ca. 400 entsprochen haben dürfte. Fridingen habe immer zu den Kleinstädten gezählt; in den Quellen sei meist nur von einem „stättlin“ die Rede. Die früheste Erwähnung als Stadt im Jahr 1372 beziehe sich auf eine Urkunde, die nur als Abschrift in Wien erhalten sei. Mit dem Verkauf der gesamten Grafschaft Hohenberg durch Graf Rudolf III. 1381 an Erzherzog Leopold von Österreich sei Fridingen zwar österreichisch geworden, aber für rund hundert Jahre an rasch wechselnde Ortsherren verpfändet gewesen. Eine Steuerliste von 1394 nenne 27 Bürger (= Haushaltsvorstände), wobei die drei reichsten Bürger damals über ein Drittel des städtischen Gesamtvermögens verfügt hätten. Die mittelalterliche Bevölkerung Fridingens habe nicht nur aus Bauern und Handwerkern bestanden, sondern wie alle Kleinstädte dieser Art auch aus adligen Familien. Ob Fridingen im Mittelalter überhaupt ein Marktrecht besessen habe, sei, so Bumiller, aus den Quellen nicht erkennbar. Offenbar habe die Stadt erst am Ende des Mittelalters zentralörtliche Funktionen an sich ziehen können und sei zum Sitz des Obervogts der oberen Grafschaft Hohenberg geworden.

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