Virtueller Stadtrundgang Fridingen

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Scharfeck

Das "Scharf-Eck" ist eines der besterhaltenen Fachwerkhäuser; am Giebel findet sich die Jahreszahl 1554. Dieses Bürgerhaus, bei dem sich das Obere Tor befand, ist die Wiege des Malergeschlechtes Bucher, dessen Angehörige die Außenfassade in verschiedenen Phasen mit Sentenzen, Motiven der heimatlichen Sagenwelt und der Ortsgeschichte verschönten. Seit etwa 1860 ist im Erdgeschoss eine Gaststube eingerichtet, die Kunstmaler Hans Bucher und Siegfried Kossack nach Motiven der Enzbergschen Forstgrenzkarte aus dem Jahr 1544 ausgemalt haben.

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Litschenberg

Der Litschenberg ist der älteste Teil der Stadt. Seine Bausubstanz geht in das 15. Jahrhundert zurück. Die Ostmauern weisen eine Wandstärke von bis zu 1,80 Meter auf. In liebevoller aber auch mühsamer Arbeit hat der Heimatkreis Fridingen einen Teil der alten Stadtmauer freigelegt und restauriert, so dass man nun als Besucher wenigstens einen Teil der nicht durch Häuser überbauten Stadtmauer betrachten kann.

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Altes Pfarrhaus

Gegenüber das wuchtige alte Pfarrhaus. Es wurde um 1670 erbaut und ist seit 1928 in Privatbesitz. Der schöne Fachwerkgiebel der heutigen Kreissparkasse wurde nach dem 1973 abgebrochenen ursprünglichen Gebäude rekonstruiert. "Echt" ist nur der kleine gezipfte Eckbalken oben links mit der Jahreszahl 1700.

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Rathaus

Das Rathaus wurde 1876/77 an Stelle des abgebrochenen alten gotischen Rathauses im klassizistischen Stil erbaut und diente auch gleichzeitig als Schule. Heute arbeiten hier die Stadtverwaltung und der Gemeindeverwaltungsverband Donau-Heuberg. Zwischen Rathaus und altem Friedhof stand früher das "Guardihäusle" (laut Koch), ein kleines Kloster, das um 1851 abgebrochen wurde. Die Kirchengemeinde besitzt zwei Figuren, die aus diesem Kloster stammen sollen. Oberhalb des Rathauses befanden sich früher die Stadtscheuer, die sogenannte "Hagenbruck", mit dem Farrenstall. Direkt angebaut war der "Turm", das Stadtgefängnis; beide Gebäude brannten 1914 ab.

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Kirche St. Martinus

Der eigenwillige neoromanische Tuffsteinbau mit Westturm wurde 1851 bis 1853 an Stelle der wegen Baufälligkeit abgebrochenen Vorgängerkirche, einer geosteten barockisierten Kirche mit gotischem Wehrturm, um die bis 1842 der Friedhof angelegt war, erbaut. Den Turm krönt ein hohes Zeltdach. In der rippenkreuzgewölbten Vorhalle sind zwei Kreuzwegstationen aus dem Vorgängerbau zu sehen. Die Kirche wurde 1971 bis 1973 grundlegend renoviert; Altar, Ambo, Taufstein, Tabernakel (1973) und die Kreuzwegstationen (1978) stammen von dem Fridinger Steinmetz Eduard Schnell. Die den Eingang flankierenden Apostelfürsten Petrus und Paulus schuf der Fridinger Künstler Josef Hamma 1816. An den Seitenwänden mit Langhaus Maria Magdalena und Johannes der Täufer, vorne links Kirchenpatron Martinus mit dem Bettler. An der Chorwand links der gemarterte Sebastian (1706), das eindrucksvolle Votivbild der 1483 gestifteten Sebastiansbruderschaft, rechts eine hochgotische Pieta, um 1420. Am Chorbogen Dominikus und Katharina von Siena, im Chor das Kreuz aus der Zeit um 1700. Es wurde 1853 in Rottweil gekauft und war bis um 1895 im Hochaltar. Im Chorraum links eine Darstellung der Martinsmesse. Stadtpfarrer Wuhrer hat das Gemälde um 1692 als Hochaltarblatt gestiftet und sich darauf selbst als Priester am Betschemel darstellen lassen. Die gotischen Skulpturen Martinus als Bischof und Agatha stammen aus der alten Kirche; Nikolaus und die Madonna wurden 1853 in Rottweil erworben. Die Madonna soll ursprünglich aus Balingen stammen und dort vor der Reformation als wundertätige "Maria mit dem Schleier" hohe Verehrung erfahren haben. Die drei Glasfenster im Chor mit der Kreuzigungsgruppe stiftete Pfarrer Bernhard Rueß im Jahr 1914. Neben der Kirche befindet sich die Ölbergkapelle. Sie wurde 1880 geweiht und steht etwa am Platz des Altares der 1851 abgebrochenen Kirche. Die Baumeister waren keine geringeren als die Künstlermönche von Beuron, die die "Beuroner Kunst" begründeten. Der kniende, blutschwitzende Christus und der Engel, der den Leidenskelch präsentiert, stammen aus der Zeit um 1750 und wurden aus der alten Ölbergkapelle übernommen.

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Ifflinger Schloss

Das Ifflinger Schloss beherrscht majestätisch den Ortskern. Der Ursprung der Anlage ist über 650 Jahre alt. Um 1330 baute Heinrich von Hohenberg hier eine Wohnturmburg mit Umfriedung und Wassergraben. In der Folge wurde die Anlage vergrößert, die Umfassungsmauer überbaut, der Wohnturm erhöht und mit Staffelgiebeln versehen. Innerhalb des erweiterten Schlosshofes wurde ein Ökonomiegebäude und ein Dienstbotenhaus errichtet. Nach 1800 wurde der ursprüngliche Wohnturm abgebrochen. Heute steht nur noch der Erweiterungsbau der zweiten Anlage, die Vorderfront birgt im unteren Bereich einen Teil der ersten Umfassungsmauer, die Rückfront ist über zwei Geschosse die Südwand des Wohnturmes. 1836 wurden weitere Teile der Schlossbebauung und die Schlossmauer abgebrochen. Nachdem die Hohenberger ihre Herrschaft 1381 an Österreich verkauften, wurde das Schloss österreichisches Lehen und kam in verschiedene Hände, ehe Hieronymus Ifflinger von Granegg 1536 das Lehen erwarb. Bis 1793 blieb es im Besitz dieses Geschlechts, dann verkaufte Karl Alexander Ifflinger von Granegg das Schloss mit den dazugehörigen Grundstücken. Im Jahr 1793 erwarb die Stadt das Ifflinger Schloss. Es diente als Armenhaus, Schule, Vereinsräume, Fabrik und Feuerwehrmagazin. Im Dritten Reich war hier die örtliche NSDAP untergebracht. In der Nacht vom 23. zum 24. Januar 1942 brach im dritten Stock durch einen überhitzten Ofen Feuer aus; bei minus 32 Grad gestalteten sich die Löscharbeiten sehr schwierig. Dachstuhl, Obergeschoss und Treppenhaus wurden zerstört, die Glocke ist seither verschollen. 1977 begann die große Renovierung, in deren Verlauf ein gotisches Fensterband im ehemaligen Hauptraum des Schlosses freigelegt wurde.
br> Seit 1980 ist in den beiden unteren Geschossen die öffentliche Bücherei untergebracht, die sich aus der 1928 gegründeten Pfarrbücherei und der 1963 gegründeten Stadtbücherei zusammensetzt. Sie ist Ergänzungsbücherei der Diözese Rottenburg-Stuttgart und hat mit etwa 13.000 Büchern jährlich rund 9.000 Entleihungen zu verzeichnen.

Im Jahre 1987 fand das bereits 1974 gegründete Heimatmuseum im Ifflinger Schloss eine neue Bleibe, die einen schönen Rahmen für die vielfältigen Besonderheiten des Museums bietet.

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Zehntscheuergasse

In der Zehntscheuergasse finden wir die frühere herrschaftliche Zehntscheuer, in der unsere Vorfahren regelmäßig ihren Fruchtzehnten abliefern mussten. Am Scheunentor prangt überdimensional der österreichische Doppeladler mit der Jahreszahl 1764 im Brustschild. Er erinnert heute noch daran, dass Fridingen von 1381 bis 1806 zu Österreich gehörte. Eine wechselvolle Geschichte hat das angebaute Nachbarhaus. Im 17. Jahrhundert war darin das Gasthaus "Krone" untergebracht. Im 19. Jahrhundert, während das Schul- und Rathaus neu gebaut wurde, diente das Haus als Schule, von 1887 bis 1890 als Notspital, in dem Barmherzige Schwestern von Gmünd die beim Bahnbau verunglückten Arbeiter pflegten. Bis etwa 1914 befand sich auch die Stadtpflege in diesem Haus. In den hölzernen Fensterrahmungen haben sich verschiedene Besitzer des Gebäudes verewigt.

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St. Anna Kapelle

Die St. Anna-Kapelle jenseits der Donau gilt im weiten Umkreis als barockes Juwel. Ihre Entstehungsgeschichte liegt weitgehend im dunkeln. Einigen Aufschluss über die Baugeschichte brachte die grundlegende Renovation 1956/58. Der erste Bau zeichnete sich deutlich ab; es war ein kleines Kirchlein mit gotischem 3/8-Chorabschluß. Ein ebenfalls entdeckter Vierpass datiert den ersten Bauabschnitt in die Zeit um 1350, also in die Zeit der Stadtgründung. Was die Fridinger damals bewog, außerhalb der Stadt eine Kapelle zu bauen, ist nicht bekannt. In der Forstgrenzkarte der Herren von Enzberg aus dem Jahr 1544 ist die Kapelle erstmals mit ihrem Titel "Zu unser Frow" genannt. Inzwischen konnte auch bewiesen werden, daß die bisher vertretene These, die Kapelle sei im Dreißig-jährigen Krieg zerstört worden, nicht stimmt. 1684 wurden die Bänke ausgebessert, 1688 wurde das Bildnis "Unser lieben Frow" in Beuron renoviert. Dies ist zugleich die letzte Nennung dieses Titals. 1727 taucht zum ersten Mal der Name Anna-Kapelle auf.

Zwis

Hartnäckig setzten sich die Fridinger für ihre Anna-Kapelle ein und hatten Erfolg. 1823 wurde die Kapelle zur stillen Privatandacht wieder geöffnet, ab 1849 durften wieder Gottesdienste gehalten werden. 1897, 1920, 1934, 1940 und 1956/58 wurden Renovationen durchgeführt. Schon 1928 wurde die Kapelle in das Landesverzeichnis der Baudenkmale aufgenommen.

Im hellen Innenraum kann sich der glaubens- und lebensfrohe Barockstil herrlich entfalten. Der prachtvolle Hochaltar ist mit größter Wahrscheinlichkeit ein Werk des aus Fridingen stammenden Barockkünstlers Ägidius Butsch (1725 bis 1785). Er trat 1758 in das Benediktinerkloster Ettenheimmünster ein und hat dort Bedeutendes geschaffen. Die Hochaltarfigur "St. Anna-Selbdritt" ist eine Kopie (Hans und Willi Bucher); das Original aus der Zeit um 1700 wurde 1973 gestohlen. Die beiden Rokoko-Seitenaltäre werden dem aus Fridingen stammenden Franz Xaver Hauger (1750 bis 1792) zugeschrieben, der 1787 ebenfalls im Kloster Ettenheimmünster eintrat und dort nach Butschs Tod dessen Werkstatt weiterführte.

Die Anna-Kapelle gibt eine schöne Übersicht über das Schaffen der Fridinger Künstler. Nicht umsonst nennen Kunsthistoriker Fridingen ein "wahres Künstlernest des Barock". Hier lebte und wirkte auch die Künstlerfamilie Zoll, deren bedeutendster Vertreter Franz Josef Zoll (1734 bis 1798) ein Meister des "Chiemgauer Rokoko" wurde. Im Alter von kaum 20 Jahren hat er die Deckenfresken in der Anna-Kapelle geschaffen. Die starke stilistische Verwandtschaft lässt darauf schließen, dass auch die Außengemälde aus seiner Hand stammen. Ein Teil der Figuren wird seinem Vater Franz Josef Zoll (1710 bis 1774) zugeschrieben.

Das "Annafest" wird von alters her mit einer feierlichen Sakramentsprozession, bei der früher auch die Annanstatue mitgeführt wurde, begangen. 1808 wurde das Fest verboten, ab 1869 wieder erlaubt. Seit 1959 wird das Annafest mit einer großen Leichterprozession am Vorabend begangen.

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Stadtinfos

Auf den ersten Blick sticht der alte, eng bebaute Ortskern ins Auge. Er wird im Nordwesten vom Ifflinger Schloss beherrscht, im Südosten von der Pfarrkirche St. Martin. Im Bereich Kirche/Litschenberg finden wir den ältesten Teil Fridingens. Im Jahr 1819 notiert Pfarrer Ganther, dass die Äcker Ob der Stadt von alten Leuten "Äcker Fridinger Dorf" genannt werden. Bei Grabungsarbeiten in der Kirche wurden 1971 Fundamente von zwei Vorgängerkirchen, einer romanischen und einer gotischen, angeschnitten. Die im Jahr 1278 wiedergeweihte Kirche ist also hier anzusiedeln. Das oberhalb entdeckte merowingerzeitliche Gräberfeld weist auf eine alemannische Siedlung ganz in der Nähe hin, vermutlich am aufsteigenden Litschenberg - dies auch wegen der Hochwassergefahr. Die mit der ersten urkundlichen Erwähnung Fridingens im Jahr 861 genannte Kirche ist wohl auch hier zu suchen, denn nach kirchlicher Tradition gilt ein geweihter Ort immer als geweiht; neue Kirchen wurden deshalb nach Möglichkeit stets am Platz der Vorgängerin errichtet.

Um 1330 baute Heinrich von Hohenberg unmittelbar beim Dorf Fridingen eine Wohnturmburg, die Feste "Neuhohenberg" (Ifflinger Schloß). Vermutlich im Zusammenhang mit der Verleihung der Stadtrechte wurde dann die alte Siedlung bei der Kirche systematisch mit der neuen Burg verbunden. Es bedurfte allerdings eines vermutlich jahrzehntelangen Prozesses, bis die rechteckige Stadt entstanden war, denn Fridingen dürfte damals kaum mehr 200 Einwohner gehabt haben.

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